
Das Glück ist mit den Tapferen. Ist es das?
Ryan Holidays Courage Is Calling – Mut, Angst und Heldentum
In Episode 107 nehmen sich Anne und Alex Ryan Holidays Buch Courage Is Calling: Fortune Favors the Brave vor. Die deutsche Ausgabe trägt den Titel Mut: Das Glück ist mit dem Tapferen. Es ist das erste Buch aus Ryan Holidays Reihe zu den vier klassischen Tugenden und beschäftigt sich mit der Frage, was Mut bedeutet und wie Menschen trotz Angst handlungsfähig bleiben können.
Anne und Alex schauen dabei nicht nur auf den Inhalt des Buches, sondern auch auf seine Form und auf die Frage, wie stoisch es tatsächlich ist. Denn Ryan Holiday arbeitet mit vielen Zitaten und Beispielen aus der stoischen Tradition. Zugleich bleibt die Verbindung zur systematischen Philosophie der Stoa an vielen Stellen eher lose.
Ein Buch aus der Pandemiezeit
Ryan Holiday schrieb das Buch während der Pandemie. Diese Entstehungssituation bildet einen wichtigen Hintergrund. Die Pandemie war von Unsicherheit und Angst geprägt: Niemand wusste zu Beginn genau, wie gefährlich das Virus sein würde, wie lange die Einschränkungen dauern würden und welche Folgen die Krise für den Alltag haben würde. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass Holiday sich mit Angst, Mut und der Frage beschäftigt, wie Menschen in schwierigen Situationen handeln können. Er bezieht auch Menschen ein, die während des Lockdowns als Essential Worker weiterarbeiten mussten und dadurch Verantwortung übernahmen, während ein großer Teil der Gesellschaft zu Hause blieb.
Das Buch ist in drei große Teile gegliedert: Zunächst geht es um Angst, dann um Mut und schließlich um Heldentum. Insgesamt besteht es aus mehr als 60 kurzen Unterkapiteln. Die einzelnen Abschnitte sind meist nur wenige Seiten lang und folgen einem wiederkehrenden Muster: Eine historische Person oder Situation wird vorgestellt, anschließend wird daraus eine Verbindung zu Angst, Mut oder Heldentum hergestellt.
Anekdoten statt Systematik
Ryan Holiday schreibt sehr anekdotisch. Das Buch ist kein systematischer Durchgang durch die stoische Tugendlehre. Es ist vielmehr ein Sammelsurium historischer Geschichten, pointierter Zitate, rhetorischer Fragen und kurzer Ermutigungen.
Zu den wiederkehrenden Personen gehören Florence Nightingale, verschiedene amerikanische Präsidenten, Churchill, Charles de Gaulle, Leonidas, Cato, Seneca, Marc Aurel, Helvidius Priskus, James Stockdale und John McCain. Viele Beispiele stammen aus Politik und Militär. Häufig geht es um Menschen, die in einer Krise eine herausragende Entscheidung treffen oder sich gegen einen übermächtigen Gegner behaupten. Anne und Alex erkennen darin eine Prägung, die auch schon in Ryan Holidays Biografie sichtbar wurde: die Faszination für große Persönlichkeiten, historische Wendepunkte und Menschen, die durch außergewöhnliche Taten hervortreten. Das Buch ist stark auf diese Form von Größe und Heldentum ausgerichtet.
Frauen kommen deutlich seltener vor. Eine wichtige Ausnahme ist Florence Nightingale, mit der Holiday das Buch beginnt. Sie wollte in der Pflege arbeiten, obwohl dieser Weg für Frauen ihrer Zeit gesellschaftlich nicht selbstverständlich war. Sie musste sich gegen Vorstellungen ihrer Familie und ihrer Umgebung behaupten und schuf später ein neues Verständnis von Hygiene und Krankenpflege.
Angst als innere Vergrößerung
Eine Geschichte, die Anne und Alex besonders in Erinnerung bleibt, handelt von Ulysses Grant. Als junger Mann hört Grant nachts das Heulen von Wölfen. In der Dunkelheit erscheint die Gefahr überwältigend groß. Auf die Frage, wie viele Wölfe es seien, nennt er eine hohe Zahl. Am Morgen zeigt sich, dass nur zwei Wölfe dort gelegen haben.
Für Anne und Alex liegt darin ein einfaches, aber wirksames Bild: Angst kann die Größe einer Gefahr in unserer Vorstellung vervielfachen. Was im Dunkeln unüberschaubar wirkt, kann sich bei Tageslicht als deutlich begrenzter herausstellen.
Grant erlebt später eine ähnliche Situation vor einer Schlacht. Er geht mit großer Angst auf einen Hügel zu und stellt fest, dass der gegnerische General verschwunden ist. Auch der Gegner hatte Angst. Der Gedanke, dass ein Gegenüber möglicherweise genauso unsicher ist wie man selbst, kann die eigene Haltung verändern.
Die Geschichte passt zu einer stoischen Übung, die Holiday an mehreren Stellen verwendet: Man soll die Angst wahrnehmen, benennen und die Situation möglichst klar betrachten, statt sich vollständig von den eigenen Vorstellungen beherrschen zu lassen.
Mut im Alltag
Obwohl das Buch viele große historische Figuren behandelt, enthält es auch Hinweise auf kleinere Situationen des Alltags. Es geht um Momente in Besprechungen, in denen jemand nicht zu Wort kommen darf, um die Entscheidung, aufzustehen oder zu widersprechen, und um die Frage, wer handelt, wenn alle anderen abwarten.
Anne und Alex weisen jedoch darauf hin, dass der Gesamteindruck des Buches dennoch stark von großen Heldengeschichten geprägt bleibt. Im stoischen Verständnis kann Mut ebenso darin bestehen, eine schwierige Situation auszuhalten, nicht sofort zu handeln oder eine Entwicklung geduldig abzuwarten.
Bei Ryan Holiday erscheint Mut dagegen häufig als Entscheidung zum Handeln: Man hat eine Wahl, und diese Wahl besteht meistens darin, den nächsten Schritt zu machen. Die amerikanische Vorstellung individueller Handlungsmacht, der Agency, prägt dieses Verständnis stark.
Anne und Alex finden den Gedanken hilfreich, in einer überwältigenden Situation nach dem ersten kleinen Schritt zu fragen. Sie sehen aber auch eine Grenze: Nicht jede mutige Haltung besteht darin, aktiv einzugreifen. Manchmal kann es ebenso mutig sein, bewusst nicht zu handeln oder etwas auszuhalten.
Kitty Genovese und die Verantwortung des Einzelnen
Eine andere Geschichte führt in die 1960er-Jahre nach New York. Holiday greift den Fall von Kitty Genovese auf und verbindet ihn mit dem psychologischen Bystander-Effekt. Wenn viele Menschen eine Notsituation beobachten, kann jeder Einzelne darauf warten, dass jemand anderes eingreift. Weil die anderen nichts tun, wird die Situation möglicherweise auch von einem selbst nicht als unmittelbarer Handlungsauftrag verstanden.
Im Mittelpunkt der Erzählung steht Sophia, eine Nachbarin, die trotz ihrer eigenen Situation zu Kitty geht. Sie ist mit ihrem Baby allein zu Hause, entscheidet sich aber, die Wohnung zu verlassen und der verletzten Frau beizustehen.
Für Anne ist diese Geschichte besonders eindrücklich, weil der Mut hier nicht in einer spektakulären Tat besteht. Sophia kann das Geschehen nicht mehr rückgängig machen. Sie kann aber bei einem anderen Menschen bleiben und ihm in den letzten Momenten Nähe geben. Diese Form von Mut ist weniger heroisch und stärker auf Beziehung und konkrete Verantwortung bezogen.
Die Spartaner und die Größe der Geste
Das Buch erzählt mehrere Geschichten über Sparta. Besonders bekannt ist die Antwort der Spartaner auf eine Drohung Philipp von Makedoniens. Er kündigt an, bei einer Eroberung niemanden am Leben zu lassen. Die Spartaner antworten mit einem einzigen Wort: „Wenn.“
Alex findet diese Szene amüsant, aber nicht unbedingt inspirierend. Eine andere Geschichte erzählt von einem benachbarten Königreich, das Sparta um militärische Hilfe bittet. Sparta schickt schließlich nur einen Kommandeur. Die Vorstellung dahinter lautet: Die richtige Führungsperson kann Mut erzeugen und eine größere Gruppe in Bewegung bringen.
Diese Geschichten passen zu Ryan Holidays Interesse an Führung, militärischer Haltung und symbolischer Größe. Sie zeigen aber auch, wie weit sich das Buch von alltäglichen Situationen entfernen kann. Die außergewöhnliche Antwort und der militärische Einsatz sind eindrücklich, bieten aber nicht automatisch eine übertragbare Anleitung für das Leben der meisten Menschen.
Thermopylen und historische Vereinfachung
Besonders kritisch diskutieren Anne und Alex die Darstellung der Thermopylen. Ryan Holiday beschreibt den Kampf der Spartaner gegen die Perser als Verteidigung eines westlichen Wertekodexes.
Anne und Alex halten diese Darstellung für historisch zu eng und problematisch. Ein fertiger „westlicher Wertekodex“, der sich gegen ein fremdes und wildes Persien verteidigt, wird der komplexen historischen Situation nicht gerecht. Das Perserreich war ein großes kulturelles und politisches Zentrum, das durch Handel und Austausch mit anderen Regionen verbunden war.
Die Geschichte lässt sich weiterhin als Erzählung über Mut und Opferbereitschaft erzählen. Dazu braucht es jedoch nicht die Gegenüberstellung von „uns“ und „den anderen“. Die vereinfachte Darstellung kann zwar motivieren, insbesondere in einem militärischen Kontext, sie macht aber zugleich die eigene Seite größer und moralisch eindeutiger, als es die historische Wirklichkeit erlaubt.
Anne und Alex fragen deshalb, ob das Buch stellenweise wie eine Ermutigungsschrift für militärische Zielgruppen wirkt. Die Verbindung zu General James Mattis, dem Holiday im Buch dankt und den er mehrfach erwähnt, verstärkt diesen Eindruck.
Peter Thiel: Mut oder Machtstrategie?
Ryan Holiday greift in Courage Is Calling auch die Geschichte von Peter Thiel und Gawker auf, die bereits in der vorangegangenen Auseinandersetzung mit seiner Biografie eine Rolle spielte.
In Holidays Darstellung fühlt sich Thiel zunächst machtlos. Gawker hatte ihn gegen seinen Willen geoutet. Später finanzierte Thiel die juristische Auseinandersetzung von Hulk Hogan mit Gawker, nachdem ein privates Video veröffentlicht worden war. Das Verfahren führte schließlich zur Insolvenz der Medienplattform.
Holiday ordnet diese Geschichte dem Thema Mut zu. Anne und Alex stellen diese Einordnung infrage. Sie sehen darin eher ein machtpolitisches Meisterstück und eine langfristig geplante Strategie. Es mag Mut erfordert haben, einen solchen Weg zu verfolgen. Der Mut wird hier aber instrumentell eingesetzt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen: Gawker zu Fall zu bringen.
Aus stoischer Sicht ist das ein entscheidender Unterschied. Mut ist keine neutrale Energie, die sich für jedes Ziel einsetzen lässt. Die Tugend hat ihren Wert nicht erst in dem Ergebnis, das sie hervorbringt. Sie muss mit Gerechtigkeit, Mäßigung und praktischer Weisheit verbunden sein. Ein erfolgreiches Vorgehen ist deshalb nicht automatisch ein tugendhaftes Vorgehen.
Stoische Übungen ohne systematischen Rahmen
Anne und Alex erkennen in Holidays Buch verschiedene Gedanken und Übungen aus der Stoa. Dazu gehört die Premeditatio malorum: Man stellt sich mögliche Schwierigkeiten vor, damit sie einen nicht unvorbereitet treffen. Auch Perspektivwechsel spielen eine Rolle. Wer darüber nachdenkt, wie Menschen früher gelebt und was sie ertragen mussten, kann die eigene Situation möglicherweise anders einschätzen.
Holiday fordert außerdem dazu auf, sich auf das zu konzentrieren, was jetzt konkret getan werden kann. Statt sich von einer unüberschaubaren Zukunft lähmen zu lassen, soll man den ersten kleinen Schritt machen und von dort aus weitergehen.
Auch der Gedanke, Herausforderungen als Möglichkeit zur Charakterbildung zu sehen, ist mit Seneca und der stoischen Tradition verbunden. Wer nie geprüft wird, weiß möglicherweise nicht, wie es um den eigenen Charakter steht.
Diese Elemente können hilfreich sein. Anne und Alex bemängeln jedoch, dass Holiday die Übungen nicht konsequent in ihre stoischen Begriffe und theoretischen Zusammenhänge einordnet. Dadurch wird nicht deutlich genug, warum diese Übungen im stoischen Denken sinnvoll sind und welche Grenzen sie haben.
Ist Courage Is Calling ein stoisches Buch?
Anne und Alex kommen zu einem differenzierten Urteil. Das Buch hat eine stoische Beimischung. Es enthält Zitate von Epiktet, Seneca und Marc Aurel. Es greift stoische Übungen auf und behandelt mit Mut eine der vier klassischen Tugenden.
Trotzdem ist die Verbindung zur Stoa nur locker. Mut ist kein ausschließlich stoisches Thema. Auch andere philosophische Traditionen beschäftigen sich mit Angst, Tapferkeit und Heldentum. Damit ein Buch wirklich stoisch wäre, müsste es nach Einschätzung von Anne und Alex stärker zeigen, wie Mut mit den anderen Tugenden verbunden ist.
Im Stoizismus ist Mut nicht einfach eine Eigenschaft, die man unabhängig von allem anderen besitzen kann. Er ist Ausdruck einer vernünftigen und tugendhaften Haltung. Er muss sich mit Weisheit, Gerechtigkeit und Mäßigung verbinden. Mut, der ausschließlich dem Erfolg, dem Ruhm oder dem Sieg dient, ist aus dieser Perspektive kein ausreichender Maßstab.
Auch der Gedanke, dass Tugend mit Wissen verbunden ist, bleibt im Buch weitgehend unterbelichtet. Die stoische Tugend ist nicht bloß eine Haltung oder ein Gefühl, sondern ein Wissen darüber, wie man in der Welt angemessen handelt.
Senecas Baum und die Blätter der Stoa
Anne und Alex nutzen eine Metapher aus Senecas 95. Brief, um die Struktur von Holidays Buch zu beschreiben. Seneca vergleicht die Philosophie mit einem Baum. Das Gute bildet die Wurzel. Die Lehrsätze bilden Stamm und Äste. Konkrete Vorschriften und Beispiele sind die Blätter.
Ryan Holiday liefert viele Blätter. Seine Geschichten zeigen, wie Mut in unterschiedlichen Situationen aussehen kann. Sie machen historische Personen anschaulich und geben Leserinnen und Lesern kurze Impulse für das eigene Leben.
Was nach Einschätzung von Anne und Alex häufig fehlt, sind Stamm und Äste. Die Grundsätze, aus denen sich die Bewertung einer Handlung ergibt, werden nicht ausreichend entwickelt. Dadurch kann ein Beispiel zwar beeindruckend wirken, aber es bleibt offen, ob es wirklich ein stoisches Beispiel ist.
Der anekdotische Ansatz muss deshalb nicht grundsätzlich schlechter sein als eine systematische Darstellung. Er spricht Menschen an, die über Geschichten und einzelne Situationen leichter in die Reflexion kommen. Er kann auch als Einstieg funktionieren. Wer jedoch die Stoa verstehen möchte, kommt mit Courage Is Calling allein nicht weit genug in die Tiefe.
Das Nachwort: moralischer Mut und die eigene Verstrickung
Am überzeugendsten finden Anne und Alex das Nachwort. Ryan Holiday erzählt dort von seiner Zeit als Marketingdirektor bei American Apparel. Sein Vorgesetzter fordert ihn auf, intime Bilder einer Frau zu verbreiten, die gegen seinen Chef, Doc Charnex, den CEO von American Apparel, geklagt hatte. Holiday weigert sich. Gleichzeitig schildert er offen, dass er nicht sofort mit großer Klarheit und Selbstsicherheit reagierte. Er dachte an seine Verantwortung für das Team, an seine eigene finanzielle Situation und daran, dass er ohnehin irgendwann gehen wollte, aber noch nicht so weit war.
Dieser Abschnitt ist deshalb interessant, weil er den moralischen Mut nicht im Nachhinein als glatte Heldengeschichte erzählt. Holiday beschreibt Zweifel, Abhängigkeit, Selbstrechtfertigung und die Frage, ob man ein System verlassen kann, solange man noch auf dessen Einkommen angewiesen ist. Er fragt sich selbst, wer er sei, ein Buch über Mut zu schreiben. Diese Selbstzweifel machen ihn für Anne und Alex glaubwürdiger. Sie zeigen einen Menschen, der nicht bereits außerhalb des Problems steht, sondern in einer konkreten beruflichen und finanziellen Verstrickung entscheiden muss.
Holiday zieht dabei mit einem Augenzwinkern einen Vergleich zu Seneca und Nero. Die Pointe liegt darin, dass Menschen sich in Situationen befinden können, in denen sie nicht einfach von außen beurteilen lässt, warum sie bleiben und warum sie nicht sofort widersprechen. Die stoische Aufgabe bestünde darin, die eigene innere Freiheit zu entdecken und die Abhängigkeiten möglichst klar zu prüfen.
Anne und Alex wünschen sich, dass das gesamte Buch in einer ähnlichen Tonalität geschrieben wäre: persönlicher, differenzierter und näher an den tatsächlichen Spannungen moralischer Entscheidungen.
Kintsugi und die Schönheit des Reparierten
Am Ende der Buchbesprechung bleibt für Alex ein Gedanke besonders hängen, den Ryan Holiday in einer seiner Geschichten erwähnt: Kintsugi. Bei dieser japanischen Kunstform werden beschädigte Gegenstände, etwa eine Teeschale, repariert. Die Bruchstellen werden nicht unsichtbar gemacht, sondern sichtbar hervorgehoben – beispielsweise mit Gold.
Darin liegt die Idee, dass ein reparierter Gegenstand nicht trotz seiner Brüche, sondern gerade durch die sichtbare Geschichte seiner Beschädigung an Schönheit und Wert gewinnen kann. Anne und Alex sehen darin mögliche Berührungspunkte mit stoischen und anderen lebensphilosophischen Fragen.
Gleichzeitig vermutet Alex einen Unterschied: Die japanische Lebensphilosophie könnte stärker ästhetisch orientiert sein, während der Stoizismus nüchterner und stärker auf Vernunft, Haltung und Handlung ausgerichtet ist. Genau diese Ähnlichkeiten und Unterschiede wollen Anne und Alex in zukünftigen Folgen weiter untersuchen.
Ausblick: Ernährung und Workshop
Zum Abschluss berichtet Alex aus der Lesegruppe über Musonius Rufus. Dort wurde die Frage diskutiert, ob es so etwas wie eine stoische Ernährung geben kann. Musonius Rufus äußert sich relativ klar zu Lebensmitteln und zu einer Rangfolge dessen, was man essen sollte.
Anne und Alex verbinden das Thema mit dem Gedanken, dass eine Lebensphilosophie auch alltägliche Lebensbereiche berühren muss. Ernährung ist eine tägliche Entscheidung und damit ein Feld, in dem sich Mäßigung, Gewohnheit und Selbststeuerung zeigen können.
Als weiterführende Literatur wird William O. Stephens’ Auseinandersetzung mit Stoizismus und Ernährung genannt. Eine eigene Folge zu diesem Thema ist möglich.
Außerdem erinnern Anne und Alex an den Online-Workshop zur Stoa und zur griechischen Mythologie am 10. Oktober von 12:00 bis 16:00 Uhr. Die Anmeldung soll über die Meetup-Gruppe erfolgen. Unterstützerinnen und Unterstützer des Podcasts können den Teilnahmebeitrag nach Aussage der Folge deutlich reduzieren.
Fazit
Courage Is Calling kann ein unterhaltsames und anregendes Buch sein, wenn man historische Anekdoten, kurze Impulse und Geschichten über außergewöhnliche Persönlichkeiten mag. Es enthält stoische Zitate und Gedanken, vermittelt die Stoa aber nicht systematisch.
Anne und Alex sehen deshalb sowohl einen möglichen Nutzen als auch klare Grenzen. Das Buch kann einzelne Denkanstöße geben und dazu ermutigen, sich einer Herausforderung zu stellen. Es zeigt jedoch nur selten den vollständigen Zusammenhang, in dem stoischer Mut steht.
Die entscheidende Frage ist nicht nur, ob jemand mutig handelt. Die Frage lautet auch: Wofür wird dieser Mut eingesetzt? Wird er mit Weisheit, Gerechtigkeit und Mäßigung verbunden? Oder dient er nur dazu, ein Ziel zu erreichen?
Am überzeugendsten ist Ryan Holiday dort, wo er im Nachwort die eigene Verunsicherung und Verstrickung sichtbar macht. Hier wird Mut nicht als glänzende Heldengeschichte präsentiert, sondern als schwierige moralische Entscheidung unter realen Bedingungen.
Shownotes:
Ryan Holidays offizielle Website
Bücher und Kurse von Ryan Holiday
The Painted Porch Bookshop – die von Ryan Holiday und seiner Frau betriebene Buchhandlung in Texas
Seneca: Brief 95 – „Über den Nutzen von Grundsätzen“ – zur Bedeutung von Grundsätzen, Vorschriften und philosophischer Orientierung
William O. Stephens: „Stoicism and Food Ethics“ – Ausblick zur stoischen Ernährung und zu Musonius Rufus
Der römische Stier Musonius Rufus, Hrsg. Tino Deckert, Tradition 2023
Der Weg der Stoa – Website des Podcasts mit weiteren Folgen und Shownotes:
Das Seminar „Die Stoa und die griechische Mythologie“, welches am 10.10.2026 online stattfindet, findet Ihr hier.
Wir freuen uns auf Euch.
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